theatercombinat | mai 2002 madcc psukb geht mit floridsdorfern für 50€ essen im rahmen von «wien umgehen», ein topographisches projekt, tanzquartier wien (a)

sprache/language: deutsch, english


madcc psukb diaries   die adressierung für dieses projekt ging als einzelne an claudia bosse. das tanzquartier wien lud 23 nationale und internationale künstler ein, für 10 tage in einem der 23 wiener gemeindebezirke zu wohnen und zum thema stadt und den jeweiligen bezirk zu arbeiten. am ende dieser zeit sollte eine arbeitspräsention/bezirksbetrachtung im tanzquartier stattfinden.

die vorgesehene tagesgage war 50€. als einzelkünstler zum thema stadt, sowie für die vorgesehene gage an einer hoch subventionierten institution zu arbeiten schien absurd, wiewohl der ansatz interessant, aber leider nur gut gemeint. so beschlossen wir, für das einzelkünstlerstadtprojekt eine künstlerin zu erfinden, die sich aus dem derzeitigen theatercombinat zusammen setzt: madcc psukb, erfanden eine biographie für die kreierte einzelkünstlerin und vereinbarten, das geld nicht zu nehmen, sondern die gage, besagte 50 €, mit bewohnerInnen des jeweiligen bezirkes zu verkonsumieren - unsere form von nichtstun. die bezirke wurden nach einem losverfahren zugeteilt.

madcc von theatercombinat wien sollte den 21. wiener gemeindebezirk floridsdorf ergehen.
jede/r von uns sollte 2mal in floridsdorf übernachten, sowie die gage von täglich 50€ mit floridsdorfern verprassen. 5€ für frühstück, 45€ am abend. der eintritt in, sowie austritt aus dem 21. bezirk, aufwachen und schlafen gehen, sowie die mitkonsumenten aus/in floridsdorf wurden fotografiert, die erlebten und beobachteten geschichten notiert.

 

claudia bosse, markus keim, andreas pronegg, christine standfest, doris uhlich

mai 2002

im rahmen von «wien umgehen», ein topographisches projekt, tanzquartier wien


    madcc psukb die künstlerin madcc psukb stammt aus dem franz-josef-land und ist vor allem auf den inseln des nördlichen eismeeres tätig. ihre ausbildung zum eisskulpturbau hat sie 1986 an der universität von longyearbven auf den spitzbergen aufsehen erregend abgeschlossen, indem sie einen in wenigen monaten durch die ungewohnte witterung an der südküste entstandenen, acht kilometer langen eisblock «tschernobyl» nannte.

madcc psukb hat sich während ihrer stipendiatsaufenthalte im nordnorwegischen vadsö wiederholt mit dem kontinentaleuropäischen denken der letzten drei jahrzehnte auseinandergesetzt. bezeichnend für ihre beschäftigung mit den theorien von jacques lacan ist ihre 1991 auf den einsamkeitsinseln durchgeführte aktion «das spiegelstadium als bildner der ichfunktion, wie sie uns im ewigen eis erscheint», bei der sich 1000 inuits und 1000 pinguine bewegungs- und sprachlos drei stunden gegenüberstanden.

weitere aktionen:
1993: neusibirische inseln: interdisziplinäres forschungsprojekt mit der grönländischen theatergruppe «gilu»: «was ist auf einer von kunst geprägten insel alltägliche, was inszenierte handlung?»
1995: durchquerung der bering-strasse auf einem eisbären in zehn tagen unter dem arbeitstitel: «teilnahme am prozess des unprätentiösen subjekts ohne interpretation».1999: lichtinstallation auf der komsomolez-insel: "neuvermessung eines landstriches bei bewegendem licht.
erstmals in kontinentaleuropa als gast von theatercombinat wien für das projekt «massakermykene».
2002 performative forschung: «das verschwinden des subjekts im traum der postindustriellen gesellschaft» zu theatercombinat wien.

 

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