theatercombinat | 24. - 28.06.2002 SCHLAFgegen düsseldorf, 5tägige stadt/schlafinstallation im rahmen von city-mapping/FFT (forum freies theater, düsseldorf), theater der welt 2002 (d)

sprache/language: deutsch, english

SCHLAFgegen düsseldorf

midnight hours

lecture barbara gronau
lecture antonia frey
lecture franz liebl
lecture luisa goergen  

  entstehung variante 1: SCHLAFgegen düsseldorf will einen stadtübergreifenden eingriff, dh eine architektonische intervention in der dimension der stadt, der über eine installation den realen stadtraum sichtbar macht und in seine struktur eingreift. diese installation ist ebenso wie die stadt nicht überschaubar, sondern nur im begehen zu erfassen. sie kann so von den bewohnern düsseldorfs in der erinnerung als ganzes zusammengesetzt werden oder aber nur aus der vogelperspektive in ihrer gesamtheit überblickt werden (hubschrauberrundflüge über düsseldorf). 5 werktage und nächte lang sollen an 100 stellen der stadt auf exakt gleich aussehenden schlafinstallationen an unterschiedlichen orten der stadt 100 menschen gleichzeitig ruhen/schlafen.

eine installation als soziale skulptur d.h. bei schlaf oder ruheschichten von 8 stunden benötigte man ca 1.500 beteiligte (sollte niemand zweimal ruhen/schlafen wollen). soziale skulptur, da möglichst ruhende/schlafende aus unterschiedlichen gesellschaftsschichten/ zusammenhängen gewonnen werden sollen. betriebe, konzerne, vereine, schulen, universitäten, obdachlose etc. sollen zur teilnahme eingeladen werden. der organisationsvorgang ist ein teil des projektes und wird dokumentiert. das mögliche scheitern, genügend schlafende/ruhende zu finden ist einkalkuliert. bei nicht ausreichend angemeldeten ruhenden/schlafenden wird die lücke ein angebot an die bewohner der stadt, eine einladung zur spontanen benutzung der ruheorte. die installation der 100 ruheorte über 5 tage und nächte wird unabhängig von der anzahl der ruhebereiten eingerichtet werden.

zeit als dauer und rhythmus: (der stadtrhythmus im widerstreit mit dem rhythmus der aktion?) innerhalb 5 werktage/nächte vom 24. - 28.06.2002. die untersuchung wäre ob durch eine verlangsamende aktion im stadtraum, schlafen/ruhen im öffentlichen raum an ungewöhnlichen orten, zb auf einer verkehrsinsel, vor dem supermarkt, kaufhaus, museum, etc der alltagsrhythmus von düsseldorf irritiert oder vielleicht sogar verändert wird? wenn man zb schlafende kennt, bewegt man sich anders an bestimmten stellen oder ist es dem rhythmus der stadt einfach egal?

eine tätigkeit als verbindende erfahrung. eine tätigkeit der reproduktion, die, egal wie oder was wir produzieren immer im intimem raum stattfindet. die reproduktionszeit wird aus dem privatraum rausgelöst und in den öffentlichen raum gesetzt. der zyklus der sauberen abgrenzung von produktion/gesellschaftlicher produktion - repräsentation und reproduktion wird unterbrochen. schlafen oder ruhen im öffentlichen raum, das sonst nur mit zoologischem interesse oder abscheu im öffentlichen raum im fall von obdachlosen zu beobachten ist. im ruhen oder liegen ist der körper sehr weich, intim und durch das liegen ausgeliefert. im schlaf repräsentiert der körper nichts. die einzelnen ruheorte verbinden sich zu einem grösseren ganzen. man ist so teil eines übergreifenden ruhegefüges im treiben der stadt.

regel für schlafen und ruhen: das ruhen muss ritualisiert stattfinden, so dass diese aktivität ein gegengewicht zu der geschäftigkeit des alltags darstellen kann. die ruhenden werden gebeten zum beispiel nicht zu sprechen und ev. die gesamte zeit eine ruhebrille aufzubehalten (weitere präzisierungen werden überlegt)

 

    variante 2: diese variante ergibt sich aus den ersten überlegungen und verschiebt aufgrund der realen bedingungen/finanzen bestimmte intentionen: die nunmehr 99 ruheorte werden entlang des rheins, auf der gegenüberliegenden rheinseite eingerichtet. sie ziehen sich, gegenüber der rheinpromenade, entlang der ehemaligen hauptader der stadt, dem fluss, der auch die spielorte von theater der welt verbindet. das unterbrückengelände der rheinkniebrücke wird mitbenutzt. die aufforderung zur benutzung der schlafstellen wird von vornherein nach aussen in die stadt adressiert. betriebe, vereine, akademien, die armee, der landtag etc sollen ausserdem zur benutzung konkret aufgefordert und adressiert werden.

die ruhestellen müssen blockartig und rot sein und im boden fest verankert. laken, decken und ev. kissen haben die gleiche farbe. die langen seiten der blöcke sind dem ufer zugewandt. der abstand von ruheort zu ruheort beträgt 3,99m oder ähnliches. das ergibt bei ca 2m länge jedes blockes ca 600m lauflänge der schlafinstallation entlang des rheins. für die nacht hat jeder schlafplatz eine (lese)lampe.

das aus der innenstadt ausgelagert sein stellt einen gegenentwurf zum stadttreiben dar und ist von der rheinpromenade gut wahrnehmbar. die schlafplatzlage eröffnet eine andere perspektive auf die innenstadt.

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