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claudia bosse / theatercombinat


13.11. - 19.11.2006 les perses aischylos – grü500, thčâtre du grütli, genf (ch)

kritiken französisch

pressedossier (frz.)

projektdokumentation

publikation

arbeitsmodell:
die perser in 3 städten

perser review
die perser, braunschweig
die perser, wien

tragödienproduzenten
2481 desaster zone

 

«grü500» beteiligte 180 bürgerInnen der stadt genf aktiv an einem gemeinsamen theatralen prozess: ein körperliches und praktisches konfrontieren mit der antiken tragödie «die perser» in einem chormodell der gegenwart.

das arbeitsmodell verknüpfte elemente der attischen demokratie wie den rat der 500 und die einmal im jahr stattfindenden chorwettkämpfe mit 500 teilnehmern mit komplexen techniken der synchronität von spracherzeugung und denken. die partizipation der genfer bürgerInnen in einem 3-monatigen probenprozess war eine öffentliche praktische diskussion über die frage, was theater sein kann und ein experimentieren mit den theatralen techniken der kommunikation.


konzept/inszenierung/partitur: claudia bosse, bote: barbara baker, atossa: doris uhlich, schatten des dareios: christine standfest, xerxes: gerald singer, chorführerInnen: guillaume béguin, léonard bertholet, vincent coppey, elisa curchod (chine), jean-louis johannides, marie-eve mathey-doret, gérard moll, jacqueline riccardi, anne-frédérique rochat, delphine rosay, regieassistenz: andreas gölles, aurélie matthey, koordination: imanol atorrasagasti, beratung: sophie klimis, chor der 500/grü500: patricia aguilar, dominique baumberger, anna born, ana candelaria, gisella cellina, patricia cherubin, luis dos santos, claude-evelyne grandjean, claude gougenheim, caroline heck, catherine ming, sylvie rombaldi, anne-françoise salamin, sylvie steinmann, nathalie sutter, anne utz, carole varone, catherine willemin, anggela zutta, christiane antoniades-menge, arlette avidor, christine barthelemy, marie-louise bellini, catherine berthet, ariane bertholet-fasel, sylvie blondel, elisabeth burch, anne-marie chevalier, magdalena chrusciel, christian cuennet, annelise dinbergs, colette gianque, paola heyd, françois leresche, maïté macia-gigonzac, claire miorini, daniel polier, monique rakotoarimanana, michèle roch, geneviève roches, annick rosselet, catherine trolliet, maria lourdes uger, pia voldet, constantin xygalas, claudine zweidler, nathalie arthur, marie bagnoud, jeanne bagnoud, nicolas favre, fabienne gigon, verena grabscheid, julie huber, martin kaspar, kumiko kuwabara, chloé lepeltier, coralie ming, eglantine de straschnov, mathieu ziegler, manuel acevedo, cécilia azevedo almeida, dora azevedo almeida, laure beuchat, ariane bourjault, audrey caudy, camille cellerier, romaine chapuis, pia drzewinski, yoursa hamed, colin harris, olivier jean, claire scholtes, patricia francia, cristina giordano, christophe giusti, sarah goffinet, christina guéninchault, marian hassan, sabine lalive d'epinay, danielle maumary, christophe mayor, martine petit, christina pittet, sandra scalea, antoine schmidt, stephane soulard, corinne sulliger, sophie theven, rené aeby, cécile bonnet, thierry calzonari, sylvie dubois, anne geinoz, claire-pascale genitzon, geneviève gorra, isabelle guillot, laurence heuberger, ben hope, graziella jordi, regina joye-reginato, carole kaeser, danielle marie, marie-claude martin, barbara megroz, liliana mendez, romain miranda, jade minh nguyen, françois nicod, véronique perrin, anne pictet, mario ruggier, xénia sepe, marco, karin strescher, francesca terri, laure testuz, xénia volpe, nicole zelnicek, paola adoboli, william baumgartner soares, dorothea beck, cécile bonnet, cambyse chamot, monique chapuis, elisa di bin, dubra arnaud, nuria greub-sallares, ludivine guex, jean-paul guisan, komaromi hadrien, lisa mazzone, caroline mszczuk, alberto osorio, maya pfiffner, alberto rigoni, stéphanie rigoni, nicole sansonnens, raffaella stampa, diane suva, daniel thürler, carole tripod osorio, yvan vuagniaux, isabelle alvarez-tausch, esther beerli, gonzague bernardeau, myriam curchod-hafner, mireille david, bernadette frelechoz, damien friot, paola illuminato, rosinci lerias jeannet, amina-fethia mehida, eva michaïlova, alexandra mossière, ricardo murillo, sergio piloni, nemecia recupero, fabienne silva, elena varela. sonia zanier, marina alberti, myrtha ammann, marie-claire auger, nicolas burnan, france-lise carene, micheline cuennet, alline dedeyan, monique degeilh, georgette devantery, henri faillettaz, anne-marie graber, claude hostettler, claudine imfeld, miriam kupferschmid, alain mutzenberg, françois nicod, françois osorio, gisèle pretre, christiane pugin, marie pythoud, jean-jérôme rinuy, solange rossi, philippe russbach, claudine schaeren, alain schweri, enza squillaci, denis volery, marie juana roth figueroa

 

black box des grü/thèâtre du grütli - 16, rue du général-dufour, 1204 genève, premiere: 13.11.2006, 6 aufführungen

koproduktion théâtre du grütli, association genèveberlin, theatercombinat

clip: claudia bosse


video: LES PERSES


fotos: regis golay

traces d´ephemeres, souffles de citoyens

sophie klimis

auszüge aus: publikation
„les perses“, théâtre du
grütli 11/2006, übersetzung lena wicke

  claudia bosse hat einen aufruf an 500 genfer bürger gestartet, ohne zu wissen, ob diese symbolisch in referenz zu der zahl der mitglieder des athener rates gewählte zahl erreicht würde. eine poetische und politische geste, um das demokratisch–attische projekt im heute zu reaktivieren: den zufall in eine logik einschreiben, so wie die griechen die tyche (zufall), per definition unbeherrschbar, kanalisierten, indem sie sie in die politischen verfahren integrierten: die richter und die mehrheit der magistrate wurden im losverfahren gewählt. (...)

etwa 180 personen nehmen heute an diesem abenteuer teil: 18 bis 80 jahre alt, studenten, arbeiter, angestellte, selbständige, hausfrauen, arbeitslose, rentner, alle schichten der bevölkerung sind repräsentiert. so ist ein zweites, der attischen demokratie eigenes charakteristikum vom ruf des grütli reaktiviert: das, was platon ihre mannigfaltigkeit (poikilia) nennt, eine unbeschreibbare mischung aus differenzen und andersartigkeiten, welche jeder möglichen form von unifizierung widersteht. für die philosophen markierte diese mannigfaltigkeit die grenze der demokratie, chaotisch und letztendlich ungerecht weil mehrheitlich. (...)

die worte bewohnen, die stille/das schweigen verkörpern, die rede dynamisieren, die bewegung verflüssigen ... man muss an dieser stelle präzisieren, dass dies alles ermöglicht wird durch die partitur, die claudia bosse komponiert hat. der text von aischylos ist in einer form „wiedergeschrieben“ worden, die mit 5 verschiedenen tonhöhen arbeitet. diese partitur, die nicht im traditionellen sinne dieses wortes musikalisch ist, versucht zum ausdruck zu bringen, was claudia bosse „phonetisches denken“ nennt, und was man im fahrwasser des philosophen cornelius castoriadis die „musikalität des sinnes“ nennen könnte, oder besser noch, mit dem linguisten und dichter henri meschonic, den „poeto-politischen rhythmus“. (...)

so gelingt der partitur von claudia bosse einzig durch ihre form, die klippe der „psychologisierung“ der tragischen rollen zu vermeiden, indem die perspektive vom ethos zum logos, vom charakter der rolle zu der strukturierung des diskurses verschoben wird. jede interpretation des sinnes, die die interne organisation des textes übersteigt, erweist sich also nicht nur als überflüssig, sondern vor allem verzerrend. claudia bosse liest aischylos wie glenn gould, der bach spielt: ihre „interpretation“ besteht vor allem aus einer arbeit der askese, welche eine maximale reinigung von allen „arabesken“ und dem überspielten pathos vornimmt, um die partitur in der purheit und der simplizität ihrer ursprünglichen melodischen linie erklingen zu lassen. (...)

sophie klimis lehrt antike philosophie an den facultés universitaires saint louis de bruxelles


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