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30. juni 2026 – eröffnung & opening-performance | 01. – 11. juli 2026 – multisensorische installation mit 5 aktivierungen, DAS WEISSE HAUS, hegelgasse 14, 1010 wien (a). evocation of absent landscapes claudia bosse
booklet zur ausstellung
– PDF
interview
– radio dispositiv / radio orange claudia bosse und günther auer im gespräch
mit herbert gnauer
projekte der serie:
– LANDSCAPE/S
– haunted landscape/s
– entanglement with a haunted forest
– haunted landscape/s – about inner and outer landscapes
– HAUNTED LANDSCAPE on an unseen wasteland
– HAUNTED LANDSCAPES or the breathing out of earth
– CRACKS in LANDSCAPES
– WASTEland dreams
– WASTEland
der zyklus
ORGAN/ismus – poetik der relationen
watch performance
WASTEland
evocation of absent landscapes ist eine multisensorische installation von claudia bosse in DAS WEISSE HAUS, mit der sie ihre langjährige künstlerische recherche haunted landscape/s mit theatercombinat fortsetzt. die serie begreift den planeten als einen von tiefen menschlichen eingriffen gezeichneten und verwundeten organismus. bosse sucht nach ästhetischen mitteln, um die vom menschen geschlagene kluft zur belebten umgebung sensorisch erfahrbar zu machen und gemeinsam mit künstler*innen sowie wissenschaftlichen expert*innen transhumane narrative zu erproben.
mit evocation of absent landscapes öffnet bosse in den räumlichkeiten von DAS WEISSE HAUS einen begehbaren ort für abwesende landschaften. diese landschaften sind durchzogen von spuren, die ihre menschlichen und nichtmenschlichen bewohner*innen hinterlassen haben. die installation beschwört die begegnungen mit ihnen herauf – mit ihren rissen, abgründen und wunden. salz, sand, schlamm, wolle und haare rieseln und tropfen; sie besetzen die vertikalen und horizontalen achsen der galerie und überführen den galerieraum in ein instabiles gelände.
die ausgebreiteten materialien treffen auf videoarbeiten, in denen körper landschaften begegnen, die über 11.000 km entfernt liegen – gezeichnete orte in indonesien wie der menschengemachte schlammvulkan in sidoarjo oder die tiefen steinbrüche und minen am aktiven vulkan merapi. so entstehen situationen, die anziehen und abstoßen, aufreißen und erschüttern. zwischen organischem und anorganischem, weichem und flüssigem, zwischen der medien-komposition von günther auer und den bewegten bildern entsteht ein berührbarer dritter ort – ein erfahrbares, hybrides zwischen.
während der gesamten laufzeit wird die multimediale installation von claudia bosse und eingeladenen internationalen gastkünstler*innen in fünf eigens konzipierten aktivierungen und performances transformiert und heimgesucht. mit ihren körpern, stimmen, theoretischen lektüren und sensorischen interventionen rufen die beteiligten abwesende landschaften auf und laden das publikum zu planetarischem denken und alternativen lesarten unserer mitwelt ein.
ausstellung
ausstellung
Installation und objekte: Claudia Bosse
using the ‘Landscape Encounter’ videos, filmed by: Irwan Ahmett, Tita Salina, Yola Yulfianti, Günther Auer
Media composition: Günther Auer
Wool from the sheep: Bel Ami, Grazio, Schöngesicht, Black Lady, Sir, Schneeflocke, Weiße Mama, Nuggi, Schwarzes Medi, Sophie, Schwarzfuß
Video mapping: Steve Nest
Assistant: Neža Kokalj
Technical Support Michael Kofler
Production: Larry Meyer
Thanks to Bea Friedl, Karin Troschke Berger, Krassimira Kruschkova, Liquifer Systems Group and Barbara Imhof, Natalia Piórecka, Judith Ascher-Jenull, Tabea Weinbörner – Integrative Design | Extremes, Institute for Experimental Architecture, University of Innsbruck
eine produktion von theatercombinat in kooperation mit DAS WEISSE HAUS und stockholm university of the arts. die installation ist teil des phd research hybrid landscapes von claudia bosse an der stockholm university of the arts.
theatercombinat wird gefördert von stadt wien kultur im rahmen der konzeptförderung 2022 – 2026.
opening performance
opening performance
dienstag, 30. juni 2026, 18:00 uhr
erweiterte re-enactment performance
der ersten theatercombinat arbeit
„sinn egal. körper zwecklos“ (berlin 1997)
mit Rotraud Kern, christa zuna-kratky, larry mey,
neža kokalj und elias austaller.
aktivierung 1 der installation
cracks in landscapes
cracks in landscapes
donnerstag, 09. juli 2026, 19:00 uhr
ein modulares, performatives poem mit erde, ton, salz, metall, latex und live-sound über zeug:innenschaft und die zukunft des planeten.
von/mit claudia bosse und live-klängen von günther auer.
aktivierung 4 der installation
finissage
finissage
samstag, 11. juli 2026, 12:00 – 20:00 uhr
gehostetes happening mit aktivierungen, materialabdrücken und landschaftslektüren.
mit perel, dimitrij mlekuž, barbara imhof, neža kokalj, martina ruhsam, carla rihl, yosi wanunu, kai feldhammer, martina de dominicis, adam czirak.
aktivierung 5 der installation
Ausstellungsrundgang & künstlerische Einführung
Die Dokumentation gibt Einblicke in die Installation Evocation of Absent Landscapes. Claudia Bosse gibt Erläuterungen zum Rechercheprozess in Indonesien, zur thematischen Ausrichtung des Projekts sowie zur Funktionsweise der installativen und soundbasierten Elemente.
video © Lea-Maraike Sambale 2026
alle aktivierungen
dienstag, 30. juni 2026, 18:00 uhr, opening performance der installation, eine erweiterte re-enactment performance
der ersten theatercombinat arbeit „sinn egal. körper zwecklos“ (berlin 1997)mit christa zuna-kratky, larry mey, neža kokalj und elias austaller. | donnerstag, 02. juli 2026, 19:00 uhr, performance „evocation of absent landscapes“, eine beschwörung von 11.000 km entfernten landschaften mit stimme, bewegung, video und live-sounds. von/mit claudia bosse und live-sound von günther auer. (uraufführung: weld, stockholm 2026) | samstag, 04. juli 2026, 12:00 uhr, performance „voicing the art“, eine audiodeskriptive performance als künstlerische reaktion auf die multisensorische installation. von und mit der schwedischen künstlerin und audiodeskriptorin louise ahl. | donnerstag, 09. juli 2026, 19:00 uhr, performance „cracks in landscapes“, ein modulares, performatives poem mit erde, ton, salz, metall, latex und live-sound über zeug:innenschaft und die zukunft des planeten. von/mit claudia bosse und live-klängen von günther auer. | samstag, 11. juli 2026, 12:00 – 20:00 uhr, finissage als 8-stündige performative landschaft, ein gehostetes happening mit aktivierungen, materialabdrücken und landschaftslektüren eingeladen von claudia bosse. mit perel, dimitrij mlekuž, barbara imhof, neža kokalj, martina ruhsam, carla rihl, yosi wanunu, kai feldhammer, martina de dominicis, adam czirak.
video © Markus Gradwohl 2026
video © Markus Gradwohl 2026
das landschaftsdenken von claudia bosse
1 Über Landschaften
„Vor einigen Jahren habe ich begonnen, meine künstlerische Arbeit in Landschaften zu verlegen und planetarisches Denken zu üben. Landschaften sind lebendige und vitale Umgebungen, die einmal andere Geografien waren und ihre Geschichte in den Schichten ihres Grundes erzählen. Landschaften sind Gefüge, lokal wuchernd und planetarisch abhängig. Sie setzen sich zusammen und ihr Ende ist ungewiss, wie auch ob sie sich in die Vertikale ausbreiten oder ausschließlich horizontal entlang ihrer Topographien.“
„Es sind Umgebungen, die vielperspektivisch und materiell verschieden ihre Existenz praktizieren. Zwischen Moos, Stein, Wurzel, einem Stück Plastikmüll, Koralle, Flechte, Blatt, Gras, Meer, Schlamm, Vogel, Alge, Insekt, Wolke und so viel Anderem. Es sind Umgebungen, die wir aufsuchen können, wenn auch manche unbetretbar oder sacrificed landscapes sind. Verseucht, durchlöchert, zerstört. Aber in denen, denen wir, wie auch immer geartet, begegnen können, hinterlassen wir Spuren und nehmen Sporen in uns auf, oder sie kontaminieren uns mit Substanzen, die sie ausstoßen. Ich beschäftige mich mit verwundeten Landschaften, weil sie mit ihrer Verwundung Schnitte in die Zeit und ihr gewesenes Werden freilegen. Ein Werden, bei dem zumeist tektonische, planetarische und menschliche Gewalt ineinandergreift.“ – claudia bosse
2 Landschaftsdenken – über Methodik
Claudia Bosse hat entwickelt, was sie als Landschaftsdenken bezeichnet — sowohl als künstlerische Methodik als auch als Form der körperlichen und sinnlichen Auseinandersetzung mit der Welt. Es ist kein festes System, sondern eine Praxis, die aus der unmittelbaren physischen Begegnung mit Umgebungen entsteht und die Distanz des Überblicks verweigert.
„In Landschaften finden Ereignisse statt in einer unglaublichen Anzahl synchroner vitaler Prozesse. Landschaften sind selbstverschränkte Ereignisse. Sie haben die Fähigkeit, fließend in kürzester Zeit Perspektive und Skalierung zu ändern — durch die Platzierung, Beugung oder Fokussierung meines Körpers hindurch. Von Mikro zu Makro wechseln die Eindrücke dessen, was zu mir gelangt – als Rauschen, Winden, Bewegung und Wechsel von Farben oder flanierenden Wolken.“
Im Zentrum dieser Methodik steht der Körper, nicht als neutrale Beobachtungsinstanz, sondern als ein durch Kultur, Erinnerung und Empfindung geprägtes Instrument. Bosse beschreibt, wie der Körper in einem Augenblick Verbindungen zwischen taktilen, visuellen, auditiven und olfaktorischen Eindrücken herstellen kann und diese mit den in ihm gespeicherten Geschichten, Fakten und Kosmologien verknüpft. Wenn der Körper seine Position verändert, verändert sich die Landschaft mit ihm.
“Dieses schnelle Kombinieren in Relation zur Landschaft ist nicht logisch geordnet, sondern wüst, kulturell geprägt und intuitiv zugleich. Ein Landschaftsdenken in speziell geordneter und ungeordneter, materiell erfahrbarer Öffnung und Relation zur Welt — durch den Körper, seine Prägungen und Öffnung/en. Als Tanz der Sinne mit (m)einem Wissen, welches die Umgebung in mir auslöst, wenn ich ihr Zeit einräume. Eine Begegnung mit der Landschaft, die Bewegung wird, die Sinne ordnet, Reziprok, eine Resonanz in der Umgebung hinterlässt.“
Dieser Ansatz fragt danach, was es bedeutet, Landschaftsdenken in und durch Kunst zu praktizieren: Landschaften nicht abzubilden, sondern die Fähigkeit zu schulen, mit ihnen zu denken und zu fühlen.
3 Evocation of Absent Landscapes
Evocation of Absent Landscapes ist eine multisensorische Installation, präsentiert im DAS WEISSE HAUS, Wien, im Rahmen der fortlaufenden Forschungsreihe haunted landscape/s mit theatercombinat. Die Reihe betrachtet den Planeten als einen durch Eingriffe gezeichneten Organismus und sucht nach ästhetischen Mitteln, um den menschengemachten Riss zwischen Menschen und ihren Lebensumgebungen sinnlich erfahrbar zu machen. Die Entstehung dieser Ausstellung wurde durch Begegnungen mit spezifischen, oft verwundeten Landschaften in Indonesien, Österreich und Schweden geprägt.
Zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 wurde Feldforschung auf der indonesischen Insel Java gemacht. Diese Begegnungen sind Teil des Forschungsprojekts eco relational landscape encounters, das in das Dissertationsprojekt Hybrid Landscapes an der Stockholm University of the Arts eingebettet ist. Die dabei entstandenen Aufnahmen dokumentieren spontane Begegnungen mit Landschaften, zu denen befreundete Künstlerinnen und Künstler mich geführt haben – gefilmt aus deren eigener subjektiver Perspektive und kombiniert mit Aufnahmen meiner eigenen Bodycam, die eine zusätzliche, intimere Sichtweise einbringt. Aus diesen Erfahrungen und Reflexionen entsteht eine materielle Fabulation, in der Rohwolle, Latex, Kurkuma, Flüssigkeiten, Pilze, Metalle, Salze, Steine, Filz und kleine Maschinen ihre Form und ihre Beziehungen zueinander finden. Salz, Sand, Schlamm, Wolle und Haar rieseln und tropfen und besetzen die vertikale wie horizontale Achse im DAS WEISSE HAUS. Diese ausgebreiteten Materialien treffen unmittelbar auf die Videoarbeiten — Körper, die Landschaften 11.000 km entfernt begegnen — und erzeugen Situationen, die anziehen und abstoßen, aufreißen und verunsichern. Zwischen dem Organischen und dem Anorganischen, dem Weichen und dem Flüssigen, zwischen Klang und Bild entsteht ein berührbarer dritter Raum: ein erfahrbares, hybrides Dazwischen.
Die Installation stellt drei zentrale Fragen:
Wie lassen sich abwesende Landschaften in Kunsträumen evozieren?
Welche künstlerischen Möglichkeiten entstehen aus dieser Unmöglichkeit?
Was bedeutet Landschaftsdenken in der Kunst?
Eine Performative Landschaft
Evocation of Absent Landscapes ist als performative Landschaft konzipiert – eine Form, die ihre eigene Vergänglichkeit und Hybridität bewusst einschließt.
“Eine performative Landschaft bietet keinen Überblick, sondern ein Mit-Sein. Sie hat keinen Horizont, aber öffnet Horizonte. Ihre Grenzen sind die Wände, die sie umfassen, oder die Imagination der Anwesenden.“
Als Installation ist sie ein Raum, in dem Objekte und Materialien Spuren ihres Werdens ausstellen und offenbaren — fragil und roh. Im Zusammenspiel verschiedener Materialien und entlang einer haptischen, texturalen Dramaturgie eröffnet sie Erfahrungen, die Landschaften nicht simulieren, sondern Landschaftsdenken praktizieren.
Evokation als Kollaboration
In dieser Installation werden Landschaften durch multimediale Übergänge heraufbeschworen. Die im Video gezeigte Landschaft wird gemeinsam heraufbeschworen; ihre Textur wird mit der Stimme nachgespürt, oder die Eindrücke der Begegnung werden in Bewegung verwandelt. Fragmente materieller Assemblagen verweisen auf andere Umgebungen und auf die Techniken, die zu ihrer Formung eingesetzt wurden. Die Evokation gründet in den Zwischenräumen dieser Begegnung — und ist, wie Bosse es beschreibt, grundlegend kollaborativer Natur.
More-Than-Social Society
Landschaftsdenken, wie Bosse es praktiziert, lädt zu dem ein, was sie als more-than-social relations bezeichnet — Beziehungen zu Ereignissen, Lebewesen und Materie. Daraus ergeben sich drängende Fragen für die Ausstellung:
„Was können dabei parallele Ereignisse und Narrative sein? Was können performative Akte mit der Landschaft in diesem Raum tun? Wie hinterlässt jeder Akt und jedes Material eine Spur, wie wird das Environment über die Zeit verändert? Welche Gespenster atmen durch die Zeiten?”
Menschen, die sich in einem Raum befinden, verhindern oft den Übergang zu einer anderen Art des Denkens mit der Landschaft, weil das Soziale die Potenzialität der Landschaft überlagert. Und doch erkennt Bosse, dass Landschaftsdenken durch die verschiedenen Existenzen der anderen gerade mit diesen verbunden ist.
„Wie kann das Landschaftsdenken eine neue Sozietät mit anderen Kreaturen, Materialien und Wesen eröffnen? Wie ist es möglich, diesen Zwischenraum ein wenig offenzuhalten, damit Situationen des Sozialen (in der Kunst) porös werden und das wüste Denken, von dem niemand weiß, welche Form es annehmen wird, mit dem Körper praktiziert werden kann?“
4 Aktivierungen
Neben der Eröffnungsperformance der Installation — einer freien Wiederaufführung der allerersten theatercombinat-Performance in Berlin im Jahr 1997 — greift Bosse auch auf Performances aus Stockholm, Zagreb und Genf zurück und lässt diese mit der Installation in Wechselwirkung treten, um sie dadurch zu transformieren. Im Verlauf der Ausstellungslaufzeit hat sie Künstler*innen aus verschiedenen Disziplinen in diesen Raum eingeladen, um weitere Artikulationen mit dieser Landschaft zu entwickeln und die Umgebung zu erkunden.
booklet zur ausstellung
– PDF
interview
– radio dispositiv / radio orange Claudia Bosse und Günther Auer im Gespräch
mit Herbert Gnauer
projekte der serie:
– LANDSCAPE/S
– haunted landscape/s
– entanglement with a haunted forest
– haunted landscape/s – about inner and outer landscapes
– HAUNTED LANDSCAPE on an unseen wasteland
– HAUNTED LANDSCAPES or the breathing out of earth
– CRACKS in LANDSCAPES
– WASTEland dreams
– WASTEland
der zyklus
ORGAN/ismus – poetik der relationen
watch performance
WASTEland