theatercombinat zeigt ab di 29.03.05 bis mi 06.04.05 und vom 24.04.05 bis 30.04.05 täglich um 16.00h, 18.00h, 20.00h und 22.00h in den nestroysälen am nestroyplatz 1/ praterstrasse 34 in 1020 wien:

ou est donc le tableau
bildbeschreibung/heiner müller
die hoffräulein/michel foucault

eine versuchsanordnung für 1-3 beobachter mit markus keim, angela schubot, christine standfest, doris uhlich
regie und raum claudia bosse
produktion christina nägele
dramaturgische mitarbeit gerald singer

diese choreographische theaterarbeit des theatercombinat geht aus von der gewalt oder möglichkeit einer zentralperspektivischen anordnung und der subjektivität des begehrens im sehen und beschäftigt sich mit der politik der kombination der elemente körper, sprache, raum, zeit, betrachter.

„he doesn’t see anything because he doesn’t want to see - because one could perfectly well see nothing“ jean luc godard

sehschlitz, netzhaut, betrachten, konstruieren
der riss im sehen und hören. gibt es wahrnehmen ohne worte im kopf. die konstruktion des betrachters von relationen und begehren. was wir sehen blickt uns an. die körper arbeiten zwischen sichtbarkeit und unsichtbarkeit. die körper produzieren den stillstand der sichtbarkeit und die bewegung des sehens und der projektion. die körper verschieben die gravität, die körper unternehmen wechsel, die nahe der unsichtbarkeit operieren. die körper fallen, versetzen sich, produzieren den riss im sehbild. das antizipieren des betrachters wird unterbrochen. diese körper sprechen und konstruieren im sprechen ein anderes bild, einen verlauf der betrachtung, assoziationen, reflexionen zweier bilder in einer montage der texte von heiner müller und michel foucault. es gibt einen riss zwischen sprache und körper, zwischen körper und dem selben körper, subjekt und objekt der erscheinung und wahrnehmung.die politik der medialen ebenen wird untersuchbar durch verschiebung der elemente zueinander.

das projekt ou est donc le tableau wird gezeigt in den nestroysälen, einem ehemaligen jüdischen privattheater an der praterstrasse im 2. wiener gemeindebezirk. dieses jugendstiltheater trägt heute zeichen seiner unterschiedlichen nutzungen als theater, als varieté und kino, sowie zuletzt als supermarkt. ou est donc le tableau bespielt die nestroysäle erstmalig wieder als theaterraum. reservation dringend erbeten unter der nummer +43-1-522 25 09 oder unter

produktion AT theatercombinat.com

 

heiner müller - bildbeschreibung

fragmentary reconstruction
die handlung ist beliebig da die folgen, vergangenheit sind
„nämlich der beobachter stehe unter beobachtung“
mann + frau unter aufsicht/
beobachtung
(archivmaterial heiner müller)

heiner müller entwirft mit „bildbeschreibung“ in einem einem einzigen, durchgängigen satz eine postdramatische „landschaft jenseits des todes“.
der dramatiker beschreibt eine zeichnung nicht genannten ursprungs: ein tableau zwischen industrie und natur, leere und fülle, lebendigem und totem, dessen rohheit, lücken und fehler dem betrachter assoziative denkräume eröffnen, auf die möglichkeit eines theaters jenseits der repräsentativen abbildung/bebilderung verweisen. folge ist ein text, den der autor selbst methodisch als „übermalung“ bezeichnet: „ein bild stellt das andere in frage. eine schicht löscht jeweils die vorige aus.“
verkehrungen, wiederholungen, differentielle verschiebungen und neubeschreibungen, zirkuläre und spiralförmige konzeptionen von zeit ziehen den betrachter ins bild hinein und machen ihn selbst zum gegenstand der betrachtung. am ende steht die auflösung des bildes, die auflösung des betrachters im bild, des autors/lesers im text.
fragen der wahrnehmung und (re-)konstruktion von perspektive, bedeutung und geschichte werden aufgeworfen: auf welche differente zeitlichkeit und räumlichkeit verweist das bild/die sprache? auf welches „außerhalb“ seiner rahmung? welche bilder werden auf die netzhaut geworfen, wenn das auge sich über dem bild schließt, das gesehene einschließt? „wer ODER WAS fragt nach dem bild?“ IM SPIEGEL WOHNEN.

bildbeschreibung
zweifel am bild
zweifel am sehen
zweifel am betrachter
(archivmaterial heiner müller)

michel foucault - die hoffräulein
michel foucault verhandelt im einleitungstext zu „die ordnung der dinge“ anhand diego velazquez’ gemälde „las meniñas“, das dieser 1656 am hof des spanischen königs malte, die grenzen von sichtbarem und unsichtbarem, von repräsentation und repräsentiertem, das komplexe verhältnis der macht, zwischen bild und betrachter.
das bild zeigt den maler, velazques, bei der arbeit, einen schritt von der für den betrachter nicht einsehbaren leinwand zurückgetreten. er fixiert sein modell. durch diesen blick wird der betrachter zum modell des im bild produzierten gemäldes, dessen vorderseite für ihn unsichtbar bleibt. velasquez integriert so, nach foucault, den bildbetrachter (das modell) in den bildraum.
gleichzeitig deutet der blick des malers auf etwas hin, das der betrachter nicht sieht/nicht sehen kann und das in einem spiegel im hintergrund des bildes erkennbar ist: auf das herrscherpaar, das dem maler modell steht. das gemälde multipliziert und verkehrt so die zentralperspektivische repräsentation der macht: „umgekehrt akzeptiert der blick des malers, den dieser nach außen in die ihm gegenüberliegende leere richtet, so viele modelle wie betrachter vorhanden sind. an dieser stelle genau findet ein ständiger austausch zwischen betrachter und betrachtetem statt.“

presse : der standard vom 1.04. 2005 ronald pohl "glotzt nicht so sporadisch"

malmoe, august 2005 gini müller "raumproduktion+wahrnehmungspolitik x 3"

gift, juni 2005 claudia bosse "raum ist politisch"

radio:vom 29.03.2005 ö1 beitrag von wolfgang popp

zurück