Heiner Müller:“ Mauser“
Nationaltheater Montenegro /theatercombinat wien/ Kampnagel Hamburg
Premiere Hamburger Fassung: 2.06.2004, weitere Vorstellungen: 3.06. bis 5.06.
(K6) und (Vorhalle), 20.00 Uhr


moraca schwimmstadion/ podgorica: foto claudia bosse feb.2003
Eine Koproduktion des Nationaltheater
Montenegro mit Kampnagel Hamburg.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, Die Erste (Österreich)
und Kulturkontakt Austria
pressetext hamburg
1970 schrieb Heiner Müller „Mauser“, seinen konsequentesten Theatertext, als kritische Auseinandersetzung mit Bertolt Brechts Lehrstücken. Der Text zerlegt die Formel der Revolution “TOD DEN FEINDEN DER REVOLUTION“ in ihre Dialektik des Tötens, aus deren Logik es scheinbar kein Entrinnen gibt: Sie ist ihr Gesetz und richtet sich in letzter Konsequenz gegen die Revolution selbst- ein verdrängter Gründungsakt jeder Staatsbildung. In der DDR wurde das Stück mit Aufführungsverbot belegt: es war einerseits als stalinistisch andererseits als konterrevolutionär verschrien.

moraca schwimmstadion/ podgorica: foto claudia bosse mai.2003
Das Wiener theatercombinat
und die Regisseurin Claudia Bosse haben im Herbst 2003 zusammen
mit einem jungen Schauspielerensemble des Nationaltheater Montenegro Heiner
Müllers „Mauser“ als eine raumgreifende Sprach- und Bewegungschoreographie
erarbeitet.
Ursprünglich in der jugoslawischen 70er- Jahre- Architektur
eines inszwischen stillgelegten Schwimmstadions für 3000 Zuschauer in Podgorica
aufgeführt,- bis 1993 Titograd, der Hauptstadt einer Region,
die gespalten ist zwischen dem Staatspoltischen Gefüge
Serbien und Montenegro und dem Bestreben nach einer Nationalstaatsgründung,-
wurde jetzt fürHamburg und die veränderte Raumsituation
eine neue Fassung erstellt.

moraca schwimmstadion/
podgorica: foto claudia bosse okt.2003
In den beiden grössten Kampnagel –Hallen wird ein aus drei Räumen bestehendes, aufeinander bezogenes Raumsystem installiert. Nach dem in der Inszenierung in Podgorica die unterschiedlichen Methoden und Arbeitsweisen der Akteure des theatercombinats und der Schauspieler des Nationaltheaters Montenegro in einem gemeinsamen Chor bearbeitet wurden, wird nun in der Hamburger Fassung dieser eine Chor in zwei anderssprachige Chöre und unterschiedliche Räume aufgeteilt. In einem verbindenden dritten Raum wird gleichzeitig zu denChoreographien dokumentarisches Material aus Podgorica gezeigt.

kampnagel hamburg vorhalle foto dirk plamböck mai 2004
Die Zuschauer haben die
Möglichkeit, sich durch die drei Räume zu bewegen, um eigene Positionen
zu beziehen und unterschiedliche akustische und visuelle Perspektiven zu wählen.
Die Begegnung zwischen kulturellen und theatralen Positionen, zwischen Zuschauern
und Spielern, angelegt als Prozess in einem Raum ohne
Hierachie von Bühne und Zuschauerraum, befragt wechselseitig die
ortsspezifischen Kontexte einer Theaterarbeit und die Möglichkeit
ihres Transfers.

kampnagel hamburg
k6 foto dirk plamböck juni 2004
Die montenegrisch- deutsche Koproduktion bringt die von Kampnagel initiierte
, sich über zwei Spielzeiten erstreckende, vierteilige Koproduktionsreihe
mit osteuropäischen Theatern und unsere Recherche zu heutigen Formen eines
politischen Theaters zum Abschluss.

kampnagel hamburg vorhalle foto dirk plamböck juni 2004
Vortragsreihe
zur „Mauser“- Produktion
Begleitend zu den Vorstellungen halten Literatur-, Theater-, und KunstwissenschaftlerInnen
Vorträge zu Heiner Müllers Theatertexten und zu den Aspekten der unterschiedlichen
Körper-Politik- Konstruktionen in Ost- und West- Europa. Beginne jeweils
um 20.00 Uhr. Im Anschluss an die Vorstellungen bieten wir Gespräche
mit Claudia Bosse, theatercombinat, dem montenegrinischen Ensemble und den ReferentInnen
an.
02.06. Dr. Nikolaus Müller-Schöll (Ruhr-Universität Bochum):
"...Die Wolken still/ sprachlos die Winde.Heiner
Müllers Schweigen."
03.06. Prof. Dr. Theresia Birkenhauer (Universität
Hamburg): „Die Zeit des Textes im Theater. Zu Heiner Müllers „Mauser“.
04.06. Prof. Dr. Ulrike Haß (Ruhr-Universität Bochum):"
Vom Sprechen, das nicht aus einem Mund kommt. Chorisches bei Heiner Müller."
05.06 Dr. Bojana Kunst (Universität Ljubljana): „Politics
of Affection and Uneasiness"

presee aus der taz
hamburg von kathrin jäger
und von klaus witzeling , kieler nachrichten
zeit und orte
1. probenblock : 3/4 wochen
proben ab mai 2003 in podgrica.
2. probenblock : 7-10 tage in wien im juni oder september
3. probenblock:: 4/3 wochen im september in podgorica
premiere in podgorica anfang oktober 2003 (premiere am 3.oktober, vorstellungen
bis 6.10.). fotos
4. probenblock: 10 tage im mai 2004 in wien, proben in der panzerhalle im arsenal
5. probenblock: mai/juni
2004 dtsch. neuerarbeitung:16 probentage in hamburg und 4 aufführungen
(aufenthalt 3 wochen)
juni 2004 zagreb eurokaz