theatercombinat | 28./30./31. oktober 2020 FFT juta, FFT düsseldorf (d) | 9./10./11. oktober 2020 – ein solo von claudia bosse. halle G, tanzquartier wien (a). ORACLE and SACRIFICE 1 oder die evakuierung der gegenwart claudia bosse / theatercombinat.

sprache/language: deutsch/english


pressedossier
pressefotos

presse
- TQW-magazin: speak organ speak, thomas köck
- der standard: flügelschlag der einsamen lunge
- skug: zerlegung fragiler zustände
- les nouveaux riches: claudia bosse. orale and sacrifice.
- FAQ: die evakuierung der gegenwart

- tanz.at: claudia bosse orakelt am tanzquartier wien

artist statement

radio-interview mit claudia bosse, julia zastava und fanti baum, radio ORANGE 94.0

ORACLE and SACRIFICE 1
oder die evakuierung der gegenwart
claudia bosse, ein solo
und kompliz*innen und organen

zeit die in bilder dringt
zeit als zerfall der oberfläche
zeit die sich dellt
eindringbar macht sich zersetzt
gewürm
zeit durchwandernd
nähen sticken zernähen vernähen
die vorausschau die ahnung
skulptur und assemblage

als erstes solo von claudia bosse ist ORACLE and SACRIFICE 1 ein denken mit dem eigenen körper. eine evakuierung der gegenwart mit poetischen handlungen, die in der zukunft und vergangenheit zu orakeln und opferungen forschen, die das innere und äußere des körpers und das innere und äußere unserer welt betasten.

lässt sich die ökologie der umwelt, das umgebende äußere, weltpolitische entscheidungen und kosmische verhältnisse aus den organen lesen? oder finden wir kommende formen von gemeinschaft im körperlich inneren? was wäre, wenn wir unsere zukunft in unseren organen tragen?

diese arbeit ist inspiriert von blutopfern und eingeweideschauen der babylonier und etrusker bei denen aus den organen getöteter tiere die politische zukunft gelesen wurde. das leberorakel wurde insbesondere von etruskern praktiziert; organe von in einem opferritual getöteten tieren wurden interpretiert. experten, sogenannte haruspizien (lat. haru: eingeweide), lasen anhand einer kosmischen übertragung aus der leber eines schafes das weltgeschehen und gaben so empfehlungen zu politischen entscheidungen. bei leber orakeln wurden makrokosmische belange aus dem mikroorganismus einer leber abgeleitet. organe werden zum medium poetischer orakel und der kommunikation mit der zukunft. vielleicht sind opferungen rituale kollektiver übereinkunft, die das trauma bearbeiten welches den schutz der gefährdeten gemeinschaft einfordern.

der umgang mit organen, ihre materie, struktur, funktion, musterung, ihre pathologisierung in unserer rationalisierten gesellschaft ist für diese arbeit wesentlich. es werden ästhetische übertragungen entstehen – zwischen organstrukturen, ihren texturen und der welt, dem kosmos – objekte und visualisierungen der verbindung des gegenwärtigen mit einem zukünftigen. die organe und ihre abstraktionen, ihre objekthaften wucherungen sowie die kartografien ihrer übertragung auf strukturen der gegenwart werden in dieser arbeit als berührbares material verhandelt. mit organen werden verbindungen vom inneren des körpers ins äußere der welt geschaffen. ein fragmentarisches assoziieren zu oracle and sacrifice als eine objekthafte und performative erzählweise mit körper/n und bildnerischem material. bewegungen, transformationen, töne, sprache, laute.

ORACLE and SACRIFICE 1 eröffnet einen raum, in dem die zukunft und die identitäten gegenwärtiger subjektivierung herausgefordert werden. eine choreografie, ein ritual als über die zeit wucherndes gebilde von umsetzungsformen, als spekulation einer ungewissen zukunft. es geht um nichts weniger als um unsere körper, unsere organe, ihr verhältnis zur welt, totes fleisch, um die konstitution von gemeinschaft.

im sommer 2021 verlagert sich ORACLE and SACRIFICE als weiterführende arbeit mit chor in die wälder von wien.

kompliz*innen dieser arbeit sind julia zastava, günther auer, claudia bosse und jonas tonnhofer.


 

ORACLE and SACRIFICE 1, tanzquartier wien, 2020.
foto: eva würdinger, für fotostrecke bitte klicken

konzept, raum, performance: claudia bosse
kompliz*innen: julia zastava (artistic collaboration), günther auer (sound + artistic advice), claudia bosse (on stage), jonas tonnhofer (on stage)
outside eye: fanti baum, philipp gehmacher
technische leitung + special effects: marco tölzer
licht: phoenix / andreas hofer
mitarbeit kommunikation: oliver maus
presse ambassador: michael franz woels
produktion + präparate: dagmar tröstler

eine produktion von theatercombinat in koproduktion mit dem tanzquartier wien und FFT düsseldorf, gefördert von wien kultur, vom bundesministerium für kunst und kultur und durch die kunststiftung NRW im rahmen der koproduktionsreihe „who is speaking?”.

danke an thomas feuerstein, laura gianvittorio, ulrike haß, anne juren, ismael karadza, mun wai lee, elisabeth von samsonow, chris standtfest, robert steijn, lucie strecker, felicitas thun-hohenstein, dea widya und eduard winter.


ORACLE and SACRIFICE 1
oder die evakuierung der gegenwart

ein solo von claudia bosse
und kompliz*innen und organen

premiere: 9. oktober 2020, 19:30
weitere aufführungen:
10. oktober, 19:30
11. oktober 2020, 17 uhr

TQW, halle G
museumsplatz 1,
1070 wien
tickets

im anschluss an die show vom 10. oktober findet ein artist talk mit angela stief (kuratorin der albertina modern) und claudia bosse statt.

28./30./31. oktober 2020
FFT düsseldorf, FFT juta
kasernenstraße 6,
40213 düsseldorf (d)
tickets

vor der show am 30. oktober hält die theaterwissenschaftlerin ulrike haß einen vortrag.

28. november 2020
die performance im stream
goethe institut chicago
link

anschließend findet ein artist talk mit petra roggel, der direktorin des goethe institut chicago statt.


teaser: julia zastava


claudia bosse im artist talk mit kuratorin angela stief.
10. oktober 2020, tanzquartier wien.

 

BISHERIGE PROJEKTE DER KÜNSTLERISCHEN SERIE ORACLE and SACRIFICE:
das tanzquartier-labor oracle and sacrifice fand vom 2. bis 6. juni 2020 im lessouterrains! statt, in digitaler und analoger anwesenheit gemeinsam mit der künstlerin julia zastava, dem performer und dramaturgen robert steijn, der indonesischen architektin und künstlerin dea widya, der latinistin laura gianvittorio und der bildenden künstlerin und philisophin elisabeth von samsonow sowie beim extented lab in berlin mit der theaterwissenschaftlerin ulrike haß.


www.theatercombinat.com theatrale produktion und rezeption