theatercombinat | 7.11.2009 bambiland09 elfriede jelinek - eine konzertante innenraum-choreographie, ehemalige ankerbrotfabrik, wien, koproduktion mit wien modern (a)

sprache/language/langue: deutsch, english, français


bambiland review
bambiland's day

bambiland08

tragödienproduzenten 2009

2481 desaster zone

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eine konzertante innenraum-choreographie mit lautsprecherwagen bewegt durch einen tanzenden tierchor. textgrundlage ist elfriede jelineks «bambiland», 2003 während des golfkrieges geschrieben.

regisseurin claudia bosse arrangiert zwölf bewegte akustische maschinen im raum: sie ordnet die sprache, komponiert den klang durch eine choreografie von medien. rhythmisierte, aufeinanderprallende sprache wird zu musik, musik zu politik, die kriegsberichterstattung des textes zur medialen kontemplation. kostümierte körper, tiere und medien, rehe und krieg. ein kulturelles disneyland des krieges.

jelineks text erklingt durch die stimme von anne bennent, eine einzige frauenstimme als kulturelle und politisch inkorrekte autorität. eine stimme im chor mit sich selbst. eine aufgeteilte, zersplitterte stimme. klangwaffen, die mit sich reden, angreifen. eine stimme als schizophrenie und allmacht. «bambiland» von elfriede jelinek als chorisch-monologische diskussion mit mir.




clip: alexander könig

 

choreographie/sprachkomposition: claudia bosse, sprecherin: anne bennent, klangregie/lautsprecherent-wicklung: wolfgang musil, von/mit: aurelia burckhardt, alexander schellow, gerald singer, christine standfest und tobias gerber, andreas gölles, joachim kapuy, christl kucera, yoshie maruoka, marie tappero, ilse urbanek, michaela wareka, regieassistenz: dieter nicka, technische leitung: marco tölzer, kostüme: christina romirer, hospitanz: thomas köck, produktion: edit rainsborough, presse: skyunlimited

ehemalige ankerbrotfabrik, puchsbaumgasse 1, 1100 wie
n, einmalige aufführung am 7.11.2009

gefördert von wien kultur, aus kulturfördermitteln des 10. bezirks und von loft city. koproduktion mit wien modern. aufführungsrechte: rowohlt theater verlag, reinbek bei hamburg

fotos: lorant racz

 



Einige Gedanken über das Sprechen und Hören

Auszug aus einem Interview mit Claudia Bosse.
Fragen: Dieter Nicka

 

"Die Politik dieses Textes ist schlussendlich eine Ideologiekritik von Sprache selber, und gleichzeitig beschreibt der Text mediale Gewalt oder auch mediale Verschmutzung, die jedoch mit dem Medium der Sprache thematisiert wird. Die Frage war, wie man das übersetzen kann. In dem Moment, wo nur eine Stimme spricht, eine Frauenstimme, und diese Stimme zum zwölfstimmigen Chor wird und dazu ein Chor agiert, ein klassischer antiker Chor von zwölf Personen, die zwölf sprechende Objekte bewegen, ohne jedoch dass jede Person des Chores einen sprechenden und denkenden Resonanzraum im eigenen Körper hat, übersetzt das für mich die ideologische und mediale Gewalt von Bambiland. Zwölf Menschen werden stumm zu Sprach-, Klang-, Ton-Trägern, indem sie diese Objekte durch den Raum bewegen und die Akustik richten, zielen und abstrahlen lassen. Also dieses unverantwortbare Sprechen, das über sehr verschiedene Sprech-Positionen verfügt und sich auf andere richtet, auf Gesellschaft, auf Öffentlichkeit, aber in dem Sinne gar keine eigene Sprache mehr hat, sondern zu einer eigentümlichen Komposition von einer versprachlichten kulturellen und politischen Ideologie wird. Diese Ideologien werden in diesem Text immer nur injiziert und entfalten sich erst im theatralen Raum, der sich in demjenigen eröffnet, der diesen Text hört: der Hörer, der zum Adressaten und zum dialogischen Ort dieses Textes wird."


 



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